Erich Ebermann

Der spätere Jurist Erich Emil Ebermann wurde am 8. Juli 1886 in eine jüdische Familie in Czernowitz in der
Bukowina geboren, die damals noch zur Donaumonarchie gehörte. Seine Mutter hieß Regine (geborene Schwitzer),
sein Vater war der aus Tarnopol stammende Rechtsanwalt Dr. Wilhelm Ebermann (1845–1927), er betrieb seine
Kanzlei in der nahe gelegenen Kleinstadt Sadagora. Da dieses Gebiet zu den hart umkämpften Schlachtfeldern
des Ersten Weltkriegs gehörte, flüchtete die Familie nach dessen Ausbruch 1914 nach Wien. Bereits drei Jahre
später konvertierte Erich Ebermann vom Judentum zum evangelischen Glauben, ein damals üblicher Schritt, um
dem grassierenden Antisemitismus zu entgehen und den gesellschaftlichen und beruflichen Aufstieg zu
erleichtern.
Bereits im November 1910 hatte er an der Universität von Czernowitz zum Doktor der Rechte
promoviert, nachdem er davor schon als Finanzprokuraturkonzipient gearbeitete hatte. Drei Jahre später
erfolgte die Beförderung zum Finanzprokuraturskonzipiteur. In Wien sollte er seine Karriere erfolgreich
fortsetzen, so erhielt er dort den Titel Ministerialsekretär und war als Vizepräsident für die Möbelfabrik
der Fischamender Werke tätig. Dieser ehemalige Rüstungsbetrieb war nach den Verträgen von Saint Germain auf
eine zivile und gemeinwirtschaftliche Produktion umgestellt worden. Ab Oktober 1924 übernahm er die Leitung
des Betriebs, da dieser in wirtschaftliche Turbulenzen gekommen war. Sein Vorgänger wurde Anfang 1925 wegen
finanzieller Unregelmäßigkeiten verhaftet und vor Gericht gestellt. Obwohl Ebermann den Betrieb nicht mehr
retten konnte, wurde ihm für seine Verdienste im Mai 1926 der Titel Sektionsrat erteilt. Ab Mitte Oktober
1927 war er als Rechtsanwalt in Wien tätig.
1929 trat Ebermann der Loge „Harmonie“ des freimaurerischen
Ordens „Le Droit Humain“ bei, doch über seine weitere dortige Tätigkeit ist nichts bekannt. Sein Bruder
Maximilian Adolf Ebermann (1887–1938) war ebenfalls Rechtsanwalt und war bereits im März 1926 der Loge
„Humanitas“ der Großloge von Wien beigetreten. Er beging am 16. März 1938 Suizid. Belegt ist Erich Emil
Ebermanns Interesse für mittelalterliche Alchemie und Mystik. So hielt er zwischen 1931 und 1937
öffentliche Vorträge zu Themen wie „Alchemie und neuzeitliche Wissenschaft“, „Alchemie, Magie und Mystik“,
„Das mystische Weltbild“ oder auch „Das Glück: Die Verheißung der Mystik“. Der „Anschluss“ 1938 bedeutete
das Ende seiner bürgerlichen Existenz. Sein letzter Wohnsitz in Wien war in der Woltergasse 6 in Hietzing.
Von hier wurde Erich Ebermann am 31. August 1942 deportiert und bereits vier Tage später - vermutlich
unmittelbar nach seiner Ankunft - im Konzentrationslager Maly Trostinec ermordet.
Quelle: Archiv und Forschung des LE DROIT HUMAIN Österreich
Link:
Erich Ebermann auf der Plattform WIEN GESCHICHTE WIKI
zurück zur Galerie der Erinnerung